"Eltern als Partner in der Jugendhilfe"

- Fachtag -

 

Erstmalig hat das junikum einen großen pĂ€dagogischen Fachtag veranstaltet, zu dem FachkrĂ€fte von JugendĂ€mtern und Jugendhilfe-Einrichtungen sowie Mitarbeitende des junikums eingeladen waren. Über 90 Teilnehmende konnte das junikum schließlich am 29. Oktober im Salvador-Allende-Haus in Oer-Erkenschwick willkommen heißen.

Die Zusammenarbeit mit Eltern, die schon jetzt einen hohen Stellenwert im junikum hat, sollte verdeutlicht werden und weitere Impulse erfahren, um ĂŒber die heutige Zusammenarbeit hinaus, zu einer Partnerschaft „auf Augenhöhe" zu kommen.Fachtag2013 01Dass dies nicht immer leicht ist, zeigte ein bewegender Film zu Beginn der Veranstaltung. Eltern aus dem junikum hatten sich im Vorfeld bereit erklĂ€rt, vor laufender Kamera ĂŒber ihre Erfahrungen mit der Jugendhilfe zu berichten.
Neben negativen Erlebnissen wie unzureichende Informationsvermittlung und oft schnelles und bevormundendes Handeln konnten die Eltern aber auch gut verdeutlichen, was in der Zusammenarbeit als wichtig und angenehm erlebt wurde. Die Eltern benannten dies unter anderem mit Begriffen wie „Menschlichkeit" und „FingerspitzengefĂŒhl".
Anschließend wurde hierĂŒber unter den Referenten, die die Workshops am Nachmittag leiteten, sowie Vertretern des Landesjungenamtes und des junikums diskutiert.
Prof. Dr. Reinhart Wolff aus Berlin schlug unter anderem vor, die Eltern nicht von vornherein als Partner zu sehen. Partnerschaft mĂŒsse erst einmal wachsen. Eltern spielten ihre Rolle, wĂŒrden ihre Position vertreten, genauso wie die Mitarbeitenden in der Jugendhilfe, somit könnte es andere Sichtweisen, Konflikte und auch Gegnerschaft geben.
Fachtag2013 02Tanja Heidtmann merkte an, dass zu Beginn einer Betreuung die Einrichtungen oft „vorpreschen", sich das Kind zum Beispiel durch Frisörbesuch und neue Kleidung in den Augen der Eltern „verĂ€ndern" wĂŒrde, ohne dass die Eltern um Erlaubnis gefragt worden seien.
Den Einrichtungen wĂŒrden hohe Erwartungen entgegengebracht, so dass EnttĂ€uschungen oft vorprogrammiert seien, Mitarbeitende bekĂ€men oft die gesamte Unzufriedenheit der Eltern ab.
Alle Teilnehmenden waren sich unter der Moderation von Johannes Röttgen einig, dass man den Eltern besser zuhören mĂŒsse, sich mit seinen (Verbesserungs-) VorschlĂ€gen manchmal mehr zurĂŒckhalten solle. Schließlich könnten FachkrĂ€fte auch von den Eltern erfahren, was die PĂ€dagogen gut könnten und richtig machten.
Theroretische Akzente und Erweiterungen des Themas in gesellschaftliche und wissenschaftliche Bereiche erfuhr der Fachtag durch zwei VortrÀge von Dr. Remi Stork und Prof. Dr. Reinhart Wolff.
In Workshops wurde am Nachmittag anhand praktischer Vorgehensweisens verdeutlicht, wie eine gelingende Zusammenarbeit mit Eltern gestaltet werden kann.Fachtag2013 03
Neben der Marte-Meo-Methode konnten sich die Teilnehmenden ĂŒber den Familienrat, die Werkstatt fĂŒr dialogische Familienarbeit und das dialogische Elterncoaching informieren.
Die Veranstaltung klang im „wahrsten Sinne des Wortes" mit RĂŒckmeldungen der Teilnehmer in (einem) Summen aus.

 

ZITATE UND STIMMEN ZUM FACHTAG 

  • „Sind Eltern nicht vielmehr GĂ€ste als Partner?
    Einrichtungen mĂŒssen sich die Frage stellen, ob sie gute Gastgeber sind."

  • „Wir mĂŒssen Familien deutlich mitteilen, dass wir ihnen grundsĂ€tzlich zutrauen, eigene Lösungen zu finden."

  • Die Fachleute sollen mehr ĂŒberprĂŒfen und nicht so schnell verurteilen."

  • „Nicht in den Biografien anderer ‚rumgraben‘, sondern Eltern ermöglichen, ihre persönlichen Erfahrungen zu verstehen
    (Mentalisierung)."

SO HABEN TEILNEHMENDE DEN TAG ZUSAMMENGEFASST

  • „Dialog und Kommunikation gewinnen."

  • „Sehr interessante Themen und gute Anregungen."

  • „Transparenz zeigen und Eltern dort abholen, wo sie stehen. Und sie mitnehmen!"

  • „Beziehungsarbeit und Haltung bestimmen den Erfolg von Zusammenarbeit und steigern das Wohlbefinden aller Beteiligten."

 

Ansprechpartner
Wolfgang Bröer >>>

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