Familienarbeit


Mit der Aufnahme eines Kindes/Jugendlichen in das Kinderheim St. Agnes werden Voraussetzungen für eine Entlastung und Beruhigung der innerfamiliären Situation geschaffen.

Ein wichtiges Element der Arbeit stellt die intensive Einbeziehung der Eltern (Sorgeberechtigten) in den Prozess der Unterbringung ihres Kindes/ Jugendlichen dar.
Erfahrungen aus der Heimerziehung belegen, dass „Erfolg oder Misserfolg“ der Hilfe u.a. davon abhängig ist, inwieweit es gelingt, die Eltern in den Hilfeprozess der Fremdunterbringung aktiv einzubinden. Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern, Kind und Heim ist dabei, eine Haltung der Wertschätzung den Eltern gegenüber einzunehmen und sie als Partner in einem gemeinsamen Prozess anzuerkennen, der nur durch das Hinzutun aller Beteiligten gelingen kann. „Wer Kindern helfen will, muss auch Eltern helfen“, beschreibt sehr einfach und komprimiert einen Baustein unseres fachlichen Hilfeverständnisses.
Es wird davon ausgegangen, dass eine förderliche Arbeit mit dem Kind nur durch eine konsequente Einbeziehung der Eltern in den Hilfeprozess gelingen kann. Mit einer Heimunterbringung wird zwangsläufig ein grundsätzliches Interesse von Kindern verletzt, nämlich mit ihren leiblichen Eltern kontinuierlich aufwachsen zu können. Die allermeisten Kinder wünschen sich, dass sich ihre eigenen Eltern im Verhalten, in der Gestaltung der familiären Beziehungen verändern. Aber: Sie wollen keine anderen Eltern.

Wir gehen in unserer Arbeit erstens davon aus, dass die Treuebindung der Kinder an ihre Eltern (auch wenn sie vernachlässigt und misshandelt wurden) in den meisten Fällen stärker ist, als eine Beziehung zu dritten Personen wie z.B. PädagogInnen und TherapeutInnen. Wird die Treuebindung des Kindes an seine Herkunftsfamilie nicht konsequent berücksichtigt, muss das Kind etwaige Probleme und Schwierigkeiten im Heim nach kurzer Zeit neu inszenieren, um so indirekt seine Familie im Heim präsent zu machen. Familienorientierung berücksichtigt, dass Eltern aus der Sicht ihrer Kinder die zentrale emotionale Bedeutung haben und als unverwechselbare Bindungspersonen nicht einfach austauschbar sind. Somit sind und bleiben die Eltern die wichtigsten Bezugspersonen. Das heißt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, dass sie – so schwierig die familiäre Situation auch sein mag - die Werthaltungen und Erziehungsmethoden der Eltern ernst nehmen.
Nachhaltige Veränderungen für das Kind und seine Familie haben nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn mit den Eltern zusammen und nicht gegen sie gearbeitet wird. Dementsprechend suchen wir in der Arbeit mit dem Kind von Anfang an das Bündnis mit seinen Eltern. Das signalisiert auch dem Kind, dass wir den Anlass der Unterbringung nicht dem Kind anlasten, sondern die Schwierigkeiten in der gesamten Familie sehen.

Zum zweiten gehen wir davon aus, dass alle Eltern versuchen, für ihr Kind das ihnen Bestmögliche zu tun. Was nun nicht heißt, dass dies auch das Beste für das Kind ist.

Die Eltern fühlen sich größtenteils mit ihren Kindern eng verbunden (auch wenn sie diese z.B. schlagen). Unter solchen Umständen erleben auch Eltern die Trennung vom Kind in der Regel als einen schmerzlichen Verlust, wenngleich dies äußerlich nicht immer direkt erkennbar wird. Die Entscheidung der Eltern, ihr Kind bei uns unterzubringen werten wir nicht als Hinweis von Schuld und Versagen, sondern als Ausdruck elterlicher Verantwortung. Unser professionelles Selbstver-ständnis orientiert sich daran, die Gesamtverantwortung für das Kind grundsätzlich bei den Eltern zu belassen, solange nicht familiengerichtliche Urteile dagegen sprechen. Wir verstehen uns als Delegierte der Eltern, denn nur wenn sie ihren Kindern gegenüber deutlich machen, dass wir Teile der Erziehungsaufgaben übernehmen dürfen, also die Erlaubnis dafür von den Eltern erhalten, wird sich ein fördernder Dialog mit dem Kind entwickeln. Das Gleiche gilt für die Perspektive auf das Kind: Verweigern die Eltern dem Kind sich auf ein Erziehungsverhältnis mit den Pädagoginnen einzulassen, wird das Kind keine intensiven und förderlichen Beziehungen aufnehmen. In unserer stationären Arbeit orientieren wir uns vornehmlich an den Kräftequellen und den gelungenen Interaktionen.

In Übereinkunft mit den Eltern, vereinbaren wir methodische Schritte, die die Qualität der Beziehung zwischen Eltern und Kind fokussieren.

Hierbei nutzen wir – vor allem - die Ergebnisse der Bindungstheorie. Daran knüpft sich das gemeinsame Erarbeiten typischer Prozesse und Themen in der Familie. In Folge werden Ziele formuliert, die generell die Entwicklung bzw. Wiederherstellung der Erziehungskompetenz und Verantwortungsübernahme über die Erprobung alltagsnaher pädagogischer Vorgehensweisen beabsichtigen. Dieser Prozess wird durch regelmäßige pädagogische Beratungsgespräche der Eltern und Kinder, die Erziehungsfragen und Regeln des gemeinsamen Umgangs in den Blick nehmen, beabsichtigt.
 

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